Clemens Schneider  - Nr. 88  Clemens Schneider gewährt mit einer distinguierten Auswahl an Zeichnungen und   Gemälden einen kleinen Einblick in die Fülle seines Schaffens.  Ein hoher Grad an Abstraktion und die unkonkrete Darstellung bestimmen seit   Anbeginn den Künstlerischen Ausdruck des Stuttgarter Malers. Auf vormals   großflächig angelegten Formaten gelingt es Schneider einen ganzen Kosmos   an Farben und Stimmungen einzufangen. Neben der Plakativität seiner Arbeiten   fällt jedoch auch die inhaltliche Fülle und Tiefe der Werke auf. Durch ein intensives   Wechselspiel zwischen scheinbar leeren Flächen und Verdichtungen, organischen   und anorganischen Formen, sowie warmen und kühlen Farbabstimmungen kann   sich der Betrachter der soghaften Wirkung nur schwer entziehen. Die sich   auflösenden Kontraste und schmeichelnden Flächen erwecken den Eindruck, dass   Schneider die Bändigung des Chaos für den Moment des Bildes Gelungen ist.  Die Kontrolle des Unkontrollierbaren scheint sich wie ein Leitmotiv durch Schneiders  Arbeit zu ziehen. selbst bei der Herangehensweise wählt der 35-jährige einen streng   festgelegten, sich immer wiederholenden Arbeitsprozess: Nach der Grundierung   seiner Leinwand zwingt er die Formen und Farben, die sich beim auditiven Genuss  zeitgenössischer Klassik-Musik entwickeln, Schicht um Schicht in Flächen,   Strukturen und Verläufe ohne dabei jedoch den Bilderrahmen als gesetzte Grenze   zu begreifen. Denn in der Abwesenheit jeglicher konkreten Form gibt es keinen   Bildanfang und kein Bildende. Diese Erkenntnis hat Schneider auch zur   Auseinandersetzung mit der runden Leinwand gezwungen, die noch weniger als die   großformatig-rechtwinkligen Leinwände dem Bild einen definierten Rahmen setzen.  Auffällig bei seinen aktuellen Arbeiten ist ein bisher noch nicht dagewesene   Detailausarbeitung, die Formal auf Schneiders Zeichnungen Bezug zu nehmen   scheint. Dabei ist ihm eine klare Trennung der Arbeitsprozesse wichtig. “Malerei  und Zeichnung entstehen meist Blockweise und mit größtmöglicher Konzentration  auf eine der beiden Ausdrucksformen”, erklärt Schneider. Weiterhin legt er großen   Wert darauf, die Chronologie seiner Arbeiten verstanden zu wissen. Denn trotz oder  vielleicht gerade wegen der unkonkreten Inhalte bildet eine kontinuierliche   Organisation den roten Faden in der Komplexität der Informationen. daher wundert   es nicht, dass Schneider eine konsequente Durchnummerierung der Werke anstelle  von Bildtiteln wählt, im Bewusstsein, dass das Zahlensystem nicht endlich ist.  Und so versteht Schneider seine Arbeiten auch als einen nicht beendbaren Prozeß  und als stete und konsequente Auseinandersetzung mit Inhalt und Form. “Ich  empfinde es als sehr befriedigend zu wissen, dass ich immer nur einen winzigen   Teil des Spektrums darstellen kann und es noch soviel mehr zu beschreiben gibt,  als ich im Moment zeigen kann”, bekräftigt Schneider. “Ein Bild kann also immer  nur ein kleiner Ausschnitt des Ganzen sein und bleibt stets eine Annäherung”.  Matthias Straub  aus dem Ausstellungskatalog “Clemens Schneider Nr. 88”  herausgegeben anlässlich der gleichnamigen Ausstellung von der ARTARY Galerie  Stuttgart 2009